Suchmaschinen und Organspende – ist weniger Transparenz besser?

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„Lieber Geld verlieren als Vertrauen.“
Robert Bosch (1861-1942)

Die in den letzten Wochen und Monaten bekanntgewordenen „Organspendeskandale“ zeigten, wie ein Arzt das an sich für objektiv gehaltene System der Organvergabe beeinflussen konnte. Er hatte für seine Patienten, gegen oder ohne Bezahlung ist egal, die Analysedaten (Blutuntersuchungen…) gefälscht und konnte diese somit bei der Organspende priorisieren. Dies ist natürlich nur möglich, wenn der Arzt weiß, nach welchen Kriterien die Organisation „Eurotransplant“ die Organe vergibt und welchen Einfluss die einzelnen Kriterien haben. Einige Informationen sind über die Seite von Eurotransplant verfügbar, jedoch nur in sehr komprimierter Form. Jedoch dürfte ein erfahrener Arzt  (Chefarzt) durch die Berufspraxis  weitere Informationen besitzen, welche Kriterien für die Vergabe relevant sind.

Wenn er diese Informationen nicht hätte, dann könnte er die Daten auch nicht manipulieren. Somit wäre es für die organvergebene Organisation besser, wenn sie überhaupt keine Aussage über die Kriterien macht. Klar, das wäre schwer in die Öffentlichkeit zu kommunizieren, da solche Organisationen ja immer Transparent sein sollen, sonst kommen auch gleich Verschwörungstheorien auf. Für jeden ist unverkennbar, dass an sich derjenige das Organ bekommen soll, der es am dringlichsten braucht und zudem noch den größten Nutzen davon erwartet. Das eine kann an der Schädigung des Organs und das andere ganz gut am Alter und an den Lebensgewohnheiten des Patienten ermittelt werden. Aber allein bei diesen Kriterien gibt es einen Spielraum, der vom Arzt oder jeder anderen Person (auch Mitarbeiter der Organisation sind nicht vor Bestechungen gefeilt) beeinflusst werden kann: raucht der Patient, treibt er Sport (gut) aber Extremsportarten (schlecht)…

Keine Transparenz hilft auch nicht sonderlich weiter, da für die meisten Ärzte diese oder ähnliche  Kriterien nach reichlichem Überlegen klar sein dürften. Hier könnte die Organisation neben der Transparenz auf einen Trick zurückgreifen – der Zufall (Würfel) sollte mit eine Rolle spielen und somit kann kein Mensch das System beeinflussen. Dadurch hat auch kein informierter Patient mehr einen Anreiz, für eine mögliche Organspende zu bezahlen, da der Arzt seine Position auf der Liste nicht wesentlich verbessern kann.

Der Zufall ist bei dieser Sache jedoch noch weniger kommunizierbar. Dessen ungeachtet wäre diese Lotterie im Endeffekt für viele Betroffene  vielleicht eher hinnehmbar, als wenn in regelmäßigen Abständen bekannt werden  würde, dass sich andere Empfänger zum Teil ihren Platz auf der Liste erkauft haben. (Dann sollte man vielleicht doch eher einen Markt um die Organe einführen, so dass jeder die gleichen Chancen hat).

Mit Suchmaschinen hat das Ganze so viel zu tun, dass das Schicksal der Webseitenbetreiber (Onlineshops…) von der Ergebnisliste abhängt und diese versuchen, auf der Liste weit nach oben zu gelangen. Die Nutzer und auch der Großteil der Webseitenbesitzer  vertrauen jedoch darauf, dass die Ergebnisse, die ganz oben auf eine Suchanfrage angezeigt werden, auch die relevantesten sind. Wenn  Kriterien über das Rankingverfahren einer Suchmaschine bekannt werden, dann gibt es jedoch Webseitenbetreiber, die versuchen, das Ranking künstlich zu beeinflussen – Ankauf von Links, Nutzung von versteckten Wörtern…. Hierbei hat sich in den letzten Jahren unter der Suchmaschinenoptimierung eine Industrie herausgearbeitet, die sich auf die Anpassung der Webseiten an die Suchmaschinen konzentriert, zum Teil mit verbotenen Verfahren. Die Suchmaschinen werden dadurch immer geheimnisvoller, was ihre Verfahren angeht, um sich vor den Optimierungsverfahren zu schützen. Zwar können sich die Suchmaschinen damit nicht vollständig schützen, da die Suchmaschinenoptimierer versuchen, durch „Reverse Engineering“ den Rankingalgorithmus zu bestimmen. Aber dagegen kann man sich nur schwierig währen.

Das Geheimnis um den Algorithmus führt jedoch zu Anschuldigungen und Verschwörungstheorien um Google herum, so dass oft die Veröffentlichung des Rankingverfahrens verlangt wird. Jedoch ist mir kein besseres Verfahren bekannt, sich vor künstlichen Einflüssen zu schützen. Genauso wie beim Organspendeverfahren ist hier ein absolutes Geheimnis unabdingbar. Niemand sollte über die Methoden Bescheid wissen. Und innerhalb der Organisationen/Suchmaschinen auch sehr wenige. Man sieht ja an den Schweizer Banken, wie weit die Loyalität reicht.

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