Alte Wolkenrechnerei bleibt Topthema auf der Neuheiten Messe Cebit

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„Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheuer oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.“
Bertolt Brecht

Die Stände sind abgebaut, die Aussteller wieder zu Hause und die Messehallen in Hannover gereinigt. Obwohl das Thema dieses Jahr die „IT-Sicherheit“ war, haben die meisten Aussteller auf der Cebit, wie in den letzten Jahren auch, ihre Neuheiten zu dem sogenannten Cloud Computing präsentiert. Fast für jede spezielle Zielgruppe werden Dienste angeboten, die nicht mehr auf stationären Rechnern laufen, sondern in Rechenzentren. So gibt es Angebote, bei denen Privatanwender ihre Musik, Unternehmen ihre Kundenbeziehungen oder Stadtverwaltungen ihre Akten über die Cloud organisieren können.

So langsam denke ich, dass sich diese Angebote durchsetzen. Zumindest scheint es in der Computerwelt zurzeit nichts anderes zu geben, das die Nutzer überzeugt. Klar sind ja auch die Vorteile überzeugend. Mit einem einfachen internetfähigen Gerät auf komplexe Programme oder große Datenbestände zuzugreifen klingt vielversprechend. Ortsungebundenheit des Zugriffs, Skalierbarkeit der Infrastruktur, regelmäßige Backups und Wartung sowie andere für Datenverluste und Ausfälle verantwortlich zu machen, lassen die Herzen der Controller in Unternehmen höher schlagen.

Klar bringen Wolken auch oft Blitze mit und so liegen für mich auch die Nachteile auf der Hand und klingen im Ohr, da schon einmal da gewesen. Die ganzen möglichen Einsparungen können dadurch wettgemacht, wenn ein Unternehmen einen Tag lang nicht mehr auf seine Daten oder Programme zugreifen kann und die Mitarbeiter tatenlos zum Rumsitzen gezwungen sind. Wie schnell dies gewollt  passieren kann, konnte gut am Beispiel Amazon und Wikileaks im Jahr 2010 gesehen werden. Auch mögliche Versuche an sensible Daten zu kommen, sollte viele Unternehmen, besonders in einem umkämpften Markt, zurückschrecken lassen, ihre Kundenlisten oder technischen Zeichnungen auf Server außerhalb ihrer Verfügungsgewalt zu speichern. Diese „Angriffe“ haben in den letzten Jahren ja auch gefühlt zugenommen.

Wolken über Stuttgart

Als Ottonormalverbraucher überwiegen für mich immer noch mehr die möglichen Nachteile den Vorteilen und so kann ich auf den ersten Blick nicht verstehen, weshalb Unternehmen sich von externen Anbietern  abhängig machen. Liegt es daran, dass sie schon immer von ähnlichen Anbietern abhängig waren. Haben sie sich zum Beispiel einmal für IBM, SAP oder Datev entschieden, ist es nur noch schwer möglich, andere Systeme einzusetzen und Daten zu übertragen. Außerdem ist es auch bei solchen Systemen kaum nachvollziehbar, wo und wie die Daten gespeichert werden. Sprich, man muss das gleiche Vertrauen diesen Anbietern gegenüberbringen, wie den jetzigen Cloudanbietern. Ferner kommen die Cloudangebote nicht so abrupt auf den Markt, wie teilweise in den Medien dargestellt. Datev ist an sich schon immer ein Cloudanbieter gewesen. Und die Angebote von SAP und Co. sind ja an sich auch schon immer Cloudähnlich. Funktionen können nach Gutdünken hinzugefügt und entfernt werden. Die einzige Veränderung liegt nur darin, dass die Unternehmen keinen eigenen Server mehr benötigen.

Aber ob sich Privatkunden auf Cloudangebote einlassen? Ich glaube nicht. Erst einmal sind mir auf der Cebit kaum Angebote für diese aufgefallen. Ferner wäre dieser Schritt für den Großteil der Leute ein großer. Im Vergleich zu den Unternehmen sind sie es nämlich nicht gewohnt die Daten aus der Hand zu geben. Außerdem denke ich, dass Cloudangebote für den Privatkunden für die Anbieter nicht lukrativ genug wären, da ein Großteil der einzelnen Funktionen kostenlos zu haben sind und die Nutzer auf diese ausweichen. Klar werden Leute auszugsweise ihre Fotos auf Facebook oder ihre Musik auf Cloudangeboten hochladen. Aber jeder wird weiterhin seine Daten auf der lokalen Festplatte speichern, besonders da diese ja günstig sind und bleiben.

Hintergrundmusik: Incubus – Under my umbrella

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