Gerechter Lohn – Signale statt Gesetze!

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„Es gibt keine Handlung, für die niemand verantwortlich wäre.“
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen

Es gibt Reiche, es gibt Arme. Einige Leute verdienen viel Geld, viele wenig. Obwohl es standpunktabhängig ist, was für einen viel oder wenig bedeutet. Unstrittig ist es dessen ungeachtet in unserer Gesellschaft, dass ein jeder so viele Mittel zur Verfügung haben sollte, um ein adäquates Leben zu führen. Wie hoch dieser Lohn sein sollte, wird alle paar Jahre bei der Festlegung des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV) diskutiert – sollen zum Beispiel Beträge für Drogen [Alkohol, Zigaretten] oder ähnliches berücksichtigt werden. Darum soll es hier aber nicht gehen. Auch nicht darum, dass sich Arbeit lohnen sollte. Schon komisch, dass sich lediglich die FDP dieses Credo auf die Fahne geschrieben hat und damit, in letzter Zeit weniger, Politik macht.

Damit sich Arbeit wieder lohnt (was natürlich auch wieder vom Standpunkt abhängig ist), gibt es eigentlich zwei Wege: höhere Löhne bei gleichbleibendem Nichtarbeitsgeld oder geringeres Nichtarbeitsgeld bei gleichbleibenden Löhnen. Konsens scheint es in der letzten Zeit zu sein, zumindest unter den Gewerkschaften und ihrer nahen Parteien sowie neuerdings auch der CDU, dass die Löhne im unteren Bereich durch Mindestlöhne angehoben werden sollen. Über die Vor- und Nachteile des Mindestlohns wurde schon viel geschrieben (Anstieg der Arbeitslosigkeit, Zunahme der Schwarzarbeit…). Die Frage die ich mir jedoch stelle ist: Wenn es Wille des überwiegenden Teils der deutschen Gesellschaft ist, dass die Löhne (in einigen Branchen) zu niedrig sind, warum kann man nicht andere Mittel einsetzen? Falls der Mindestlohn nicht dem Volkswillen entspricht, dann sollte auch die Regierung die Finger davon lassen.

Bisher sind ja die Buhmänner die Unternehmer. Diese bezahlen ihren Angestellten zu wenig, um mehr Profit zu haben. Mag sein, geht aber an der Tatsache vorbei, dass sie das Geld für ihre Gewinne von den Kunden bekommen. Keine Kunden. Kein Geld. Keine Umsätze. Also liegt es in der Hand der Konsumenten. Wenn sie höhere Löhne verlangen oder besser gesagt, wenn sie die Löhne als zu niedrig empfinden, dann sollte sie auch dementsprechend handeln. Daher sollten doch die Kunden nur zu den Unternehmen ihr Geld geben, die sich an ihren moralischen Standard orientieren, sprich „gerechte“ Löhne bezahlen und somit möglicherweise auch bereit sein höhere Preise zu bezahlen. Gut mag man jetzt denken. Der Unternehmer kann mir viel erzählen und ich kann doch nicht jeden einzelnen Mitarbeiter befragen was er verdient, dies wäre doch viel zu aufwendig. Klar keine Frage. Aber woher wissen wir, ob das Essen im Restaurant gut schmeckt, das Hotel komfortabel ist oder der Einkauf beim Onlinehändler sicher ist – dort liegen auch Informationsasymmetrien vor. Ganz einfach. Sie machen Werbung mit ihren Signalen – Michelin Stern, Hotelsterne oder Plaketten für das sichere Einkaufen….

Dahinter stehen private Organisationen, die die jeweiligen Unternehmen prüfen (Screening): sie testen regelmäßig das Essen, das Hotel oder schauen sich an, was Onlineläden mit den Daten der Kunden machen. Erfüllen die geprüften Firmen die Kriterien, dann wird ihnen das Signal ausgestellt und sie können damit werben. Sehen Kunden das Signal, dann steigt die Wahrscheinlichkeit eines Kaufes beziehungsweise sind sie bereit, höhere Preise zu bezahlen.

Das gleiche könnte man doch auch für Löhne einführen. Die Gewerkschaften würden einfach einen Mindestlohn für die jeweiligen Branchen festlegen. Die Unternehmen, die allen ihren Mitarbeitern einen höheren als diesen Lohn bezahlen, können sich dies durch Zertifizierer bescheinigen lassen und in ihrem öffentlichen Auftritt als Signal verwenden. Nachfrager sehen dann auf einem Blick, ob ein Betrieb (Hotel, Gaststätte, Friseur…) den von der Gewerkschaft vorgeschlagenen Mindestlohn einhält und dann bei diesem einkaufen anstatt bei einem anderem Betrieb.

Wettbewerb unter den Zertifizierern würde dann dazu führen, dass diese besser werden und auch undurchsichtige Beteiligungen sowie ausgelagerte Tätigkeiten mit berücksichtigen, so dass dort keine Schlupflöcher bestehen sollten, die durch Gesetze entstehen könnten. Somit würden schwarze Schafe vermieden.

Weitere Vorteile liegen auch auf der Hand. Wir würden die Zuständigkeit für die Löhne weiterhin bei den Gewerkschaften belassen, der Staat sollte sich daraus halten – Tarifautonomie! Man würde ferner bei den Konsumenten ein Bewusstsein für die Bedeutung ihres Handelns schaffen. Sie könne schließlich darüber entscheiden, ob sie bei einem Unternehmen kaufen, welche die Mindestlöhne einhält oder nicht – hoffen wir mal nicht, dass es ihnen egal ist. Somit kann die Gesellschaft direkt darüber entscheiden und Verantwortung dafür tragen, ob sie ihresgleichen höhere Löhne gönnt oder  nicht.

Weiterer Vorteil liegt darin, dass die Arbeitnehmer, die bereit sind für einen Lohn unter den Mindestlohn zu arbeiten, weiterhin arbeiten dürfen, so lange es Unternehmen gibt, die solche Stellen noch besetzen können. Vorteil deshalb, da der Arbeitnehmer selbst entscheiden kann, ob er für einen Lohn arbeitet – diese Freiheit ist für einige mehr wert als ein vom Staat angeordneter Mindestlohn.

Es gibt keine Gründe, die gegen diese freiheitliche Lösung sprechen. Wenn den Leuten gerechte Löhne für ihre Nächsten genauso wichtig sind, wie ihre Unterkunft im Hotel oder Essen im Restaurant, sollte alles funktionieren. Wir würden dadurch die gleichen, wenn nicht sogar gerechtere Ergebnisse erreichen als per Gesetz. Wenn nicht? Dann wäre die Forderung eines Mindestlohns nur eine Farce.

Hintergrundmusik: Völker hört die Signale!

Ein Kommentar

  1. Ich sehe die Einführung des Mindestlohnes schon als ganz wichtigen Schritt an, allerdings muss sich in diesem Bereich auch in Zukunft noch einiges mehr tun, damit die Menschen auch endlich wieder von ihrem Gehalt leben können, was aktuell ja leider oftmals immer noch nicht der Fall ist.

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